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John Train tötet Phil Ochs....

Verschwörung & Co....

John Train tötet Phil Ochs
März 14, 2009 von nachtstrom
Über die
Zerstörung der Gegenkultur der 1960er/70er-Jahre mittels der gezielten Tötung ihrer Leitfiguren durch das amerikanische Establishment habe ich in diesem Blog schon mehrmals geschrieben. Nach den entsprechenden Fallbeispielen zu Lennon und Hendrix möchte ich heute von Phil Ochs berichten, einen unbequemen Liedermacher und Sixties-Folkhelden, dessen späteres Schicksal eines der seltsamsten in dem an obskuren Fällen nicht gerade armen Universum der “toten Rockstars” ist.

Phil Ochs, Rebell und Folk-Hero

Ochs, 1940 in El Paso, Texas geboren, mag heute nahezu vergessen sein; in den frühen 1960er-Jahren bildete er mit Joan Baez und seinem engen Freund Bob Dylan das leuchtende Dreigestirn der damaligen Folk-Szene. Von diesen dreien war Ochs derjenige, der sich am wenigsten ein Blatt vor den Mund nahm- seine Protestsongs wie “I Ain’t Marching Anymore” waren von einer solchen Schärfe und Direktheit, dass sie auf konservativen Radiosendern Spielverbot bekamen. Damit wurde natürlich auch das FBI auf ihn aufmerksam, welches von da an begann, seine Aktivitäten genauestens mitzuverfolgen.

Auf der Höhe seines Ruhms: Ochs tritt vor Studenten in Berkeley auf....

Nachdem Dylan 1964 auf die elektrischen Gitarre umgesattelt hatte, wäre Phil Ochs eigentlich der logische Anwärter auf den Thron der akustischen Folkmusik gewesen. Doch irgendwie schien es mit dem ganz grossen Durchbruch nicht zu klappen- er zerfranste sich zwischen Happenings, zahllosen Treffen mit Gesinnungsgenossen, Reisen und politischen Aktionen (wie z.b. der Gründung der “Yippie – Partei“). Während er bei Auftritten gnadenlos über Nixon und die CIA herzog, begann er gleichzeitig Ängste zu entwicken, selbst einmal Opfer des so verhassten Establishments zu werden. Die Befürchtung, wie sein ehemaliger Lieblingspräsident Kennedy erschossen zu werden, kompensierte er mit dem erhöhten Konsum von Tabletten und Alkohol.

Da lief es nicht mehr so gut: Ochs (rechts) und sein Manager-Bruder Michael in den 1970ern

Auf seinen Reisen passierten plötzlich eigenartige, bis heute nicht restlos aufgeklärte Ereignisse – mysteriöse Einbrüche ins Hotelzimmer, oder die teilweise Zerstörung seiner Stimmbänder in Afrika Anfang der 1970er-Jahre: Als Ochs während eines Aufenthalts in Dar es Salaam, Tanzania einen Abendspaziergang am Strand machte, wurde er aus unbekannten Gründen von drei Einheimischen überfallen; einer der drei Täter würgte ihn so stark, daß sich sein Stimmorgan bis zum Ende seines Lebens nicht mehr richtig erholte.
Um
1975 herum nahm sein Leben eine Wende zum Bizarren: Ochs verwandelte sich in eine andere Persönlichkeit. Sein neues Ich bezeichnete er als “John Train“, und dieser John Train war in jeder Hinsicht das absolute Gegenteil des sympathischen, ruhigen Liedermachers Phil Ochs – er war laut, ruppig, suchte Streit und Handgreiflichkeiten; er trug ständig eine Waffe bei sich und behauptete, er sei CIA-Agent; ein Schlag ins Gesicht seines alten Freundeskreises, den er so oft vor den Kopf stieß, daß er letztendlich sämtliche Weggefährten von früher vergraulte.

Bizarrer Auftritt: John Train gibt ein Interview

Alex Constantine vermutet in seinem Referenzwerk “The Covert War Against Rock“, daß Ochs das Opfer einer CIA-Gehirnwäsche geworden war- eine Maßnahme, die unberechenbares Verhalten auslöste, welches sich auf die Karriere des einstigen Folk-Helden mehr als verheerend auswirkte. John Train (der inzwischen aufgeschwemmt und ständig betrunken mehr als obskure Auftritte in einem goldenen Elvis-Kostüm absolvierte) tat in Interviews für Presse und Fernsehen alles, um Phil Ochs zu diskreditieren. Schließlich behauptete er einem Bekannten gegenüber, er hätte Phil Ochs getötet. Dieser zeichnete das entsprechende Gespräch übrigens auf Tonband auf, sodaß der originale Wortlaut erhalten geblieben ist:
“On The first day of summer, 1975, Phil Ochs was murdered in the Chelsea Hotel by John Train, who is now speaking. I killed Phil Ochs. The reason i killed him was, he was some kind of genius but he drank too much and was a boring old fart. For the good of societies, public and secret, he needed to be gotten rid of. Although he had brilliant ideas, i.e. an an evening with Salvador Allende and a couple of good songs like ‘Crucifixion’ and ‘Changes’, he was no loonger needed and useful. He was too embarassing at parties…”
(Zitiert aus
Marc Eliot, “Death Of A Rebel“, Anchor Press, 1979, Hervorhebungen von mir.)
Die
kreative Ader, das Songschreiben, all das war ab 1975 GeschichteTrain/Ochs besaß irgendwann nicht mal mehr eine Gitarre; sie war ihm während einer mehrtägigen Zechtour gestohlen worden. Als die John Train – Persönlichkeit im Jahr 1976 wieder zu verschwinden begann, realisierte der wiedererwachte Ochs, daß sein Leben in Trümmern lag- er war vollkommen pleite, obdachlos und hatte keine Freunde mehr. Im Frühling 1976 zog er für ein paar Tage zu seiner Schwester Sonny in Far Rockaway, New York und erhängte sich am 9. April des Jahres in ihrem Badezimmer. Er wurde 35 Jahre alt.

Das letzte Photo...

Wurde Phil Ochs von CIA-Psychiatern eine “destruktive Persönlichkeit” eingepflanzt? Jahre später wurde jedenfalls enthüllt, dass das FBI eine über 500 Seiten starke Akte über den politisch Unbequemen besaß – dort war er als “subversive Person” eingestuft worden und galt wie andere Leitfiguren der “Counterculture” als “potentiell gefährlich“.
(Zitat: wikipedia.org)

"Death Of A Rebel": Schwer erhältlich, aber eine der besten Musikerbiographien die es gibt.

(Quelle: http://obskuristan.wordpress.com)


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