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The walrus was Paul....

Verschwörung & Co....

Lust auf mehr morbide Beatlemania? Kein Problem, davon gibts genug. Lass uns doch einmal die Beatles im Jahr 2008 betrachten: John ist tot (ermordet), George ist tot (Krebs); übrig bleiben Ringo und Paul. Paul? Sorry, Paul ist ebenfalls tot – und zwar schon seit 1966.

Willkommen zu einer der irrwitzigsten und auch hartnäckigsten Verschwörungstheorien der Pop-Geschichte. Wie die absurde Story, daß Paul McCartney in besagtem Jahr ums Leben gekommen sei und durch einen (Trommelwirbel!) Doppelgänger ersetzt wurde, ist nicht ganz klar. Angeblich erschien 1969 in einer Campus-Zeitung der amerikanischen Michigan- Universität ein Artikel, der zum ersten Mal die Behauptung aufstellte, McCartney sei nicht mehr am Leben; das behauptete ausserdem kurz darauf ein mysteriöser Anrufer namens “Tom” während einer Radioshow des Detroiter Moderators Russell Gibb. Gibb ließ sich überzeugen und widmete dem Thema die restliche Sendung.

Diese legendäre Radioshow trat eine unglaubliche Welle der Hysterie los: unter der tatkräftigen Mithilfe sensationsgeiler Medien hatte die berüchtigte “Paul is dead“- Theorie das Licht der Welt erblickt; fortan widmeten sich hundertausende Fans der Beatles hingebungsvoll einer äußerst verschrobenen Schnitzeljagd nach versteckten Hinweisen in Beatles-Songs und auf den entsprechenden Plattencovern – ein paar Unentwegte tun das übrigens auch heute noch.
Mittwoch, 9. November 1966: Die Beatles befinden sich im Abbey Road-Studio, um einen Song für die 1967 zum Release vorgesehene LP “Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band” aufzunehmen. Die vier Pilzköpfe gehen gerade durch eine harte Zeit- Lennon hat durch seine Ansage, die “Beatles seien populärer als Jesus Christus” die halbe Welt gegen sich aufgebracht (Anm.: Der Vatikan hat ihm ja dieser Tage endlich verziehen), die Band versoürt keine Lust mehr, live aufzutreten, zwischen den ewigen Rivalen John und Paul gibt es immense persönliche und kreative Spannungen.

Als während der nächtlichen Aufnahmesession irgendwann zu fortgeschrittener Stunde ein hitziger Streit wegen Pauls Perfektionismus ausbricht, springt der Beatle auf und verlässt im Zorn das Studio. Er rast bei starkem Regen in seinem weißen Austin Healey davon; kurze Zeit später bemerkt er eine Frau, die ohne Schirm neben der Strasse entlangläuft. Er hält an und fragt, ob er sie mitnehmen kann- die junge Dame (ihr Name, so wurde später angeblich ermittelt, lautete “Rita“) erkennt kurze Zeit später, wer der Fahrer ist und wird hysterisch.

Austin Healy 3000, Baujahr 1965

Sie greift in das Lenkrad, der Wagen gerät ausser Kontrolle und rast ungebremst in einen Telefonmasten. Irgendwie ist es Rita möglich, sich aus dem Wrack zu befreien, sie ist nahezu unverletzt. Paul allerdings ist festgeklemmt. Als sie versucht, die Fahrertüre von aussen zu öffnen, bricht plötzlich ein Feuer aus. Paul ist bei Bewußtsein- seine Hand ist gebrochen, es ist ihm unmöglich, den Griff der der Vordertür herunterzudrücken. Am Unfallort eingetroffene Passanten haben die Einsatzkräfte verständigt; während die Feuerwehr zum Unfallort unterwegs ist, explodiert plötzlich das Fahrzeug- jede Rettung kommt zu spät. Paul McCartney verstirbt am Unfallort.Die später eingetroffene Polizei identifiziert den Lenker anhand des erhaltenen hinteren Nummernschilds – die Presse hat bereits Wind von dem Unfall bekommen und die Reporter haben wissen auch schon, wer das berühmte Opfer ist.

Brian Epstein (1934 - 1967)

Brian Epstein, Manager der Beatles, verhindert entsprechende Schlagzeilen in den Morgenausgaben diverser Zeitungen und bittet die Polizei um absolutes Stillschweigen gegenüber der Öffentlichkeit. Wie ihm das (offensichtlich) gelungen ist, bleibt allerdings ein Rätsel; Epstein begeht im August des folgenden Jahres Selbstmord und nimmt seine sorgsam gehüteten Geheimnisse mit in eine andere Welt. Zuvor beschwört er die geschockten restlichen Bandmitglieder, sich wegen der unzähligen bestehenden Verträge nicht aufzulösen. Da Paul ausserdem der beliebteste Beatle war, gibt es anscheinend nur eine einzige Lösung für das Dilemma um seinen Tod: ein Doppelgänger muß her.

McCartney-Double William Campbell ?

Er findet sich in einem kanadischen Polizeibeamten namens William Campbell- ein idealer Kanditat: Campbell ist Beatles-Fan, kann Bass spielen, und hat bereits einen “Paul McCartney-Lookalike” – Wettbewerb gewonnen. Eines Tages verschwindet er spurlos von seiner Arbeitsstelle im Ontario Police Department- und taucht nach einigen kleinen Schönheitsoperationen als “Paul McCartney” wieder auf.

Mit einem Spiegel kann man
auf dem Cover von "Sgt Pepper"
Pauls "Todesdatum" herausfinden...

Der Schwindel funktioniert jahrelang ohne die geringsten Probleme- die restlichen Beatles allerdings fühlen sich schuldig und platzieren bei allen weiteren Releases nach Pauls Tod versteckte Hinweise, die erst ab 1969 von aufmerksamen Fans entdeckt werden- viel später erst bemerken unermüdliche Amateurforscher bei Vergleichen von Fotos aus den Jahren vor 1966 und danach etliche Diskrepanzen zwischen dem echten Paul und seinem Double, dem man den verächtlichen Namen “Faul” gegeben hat.

Das Cover von "Abbey Road":
John als Priester, Ringo als Sargträger, George als Totengräber.
Paul ist tot (weil barfuß) und hält die Zigarette in der falschen Hand.

Ich finde die “Paul is dead” – Theorie ziemlich Gaga, mag sie aber trotzdem unheimlich gerne; wenn man sich damit beschäftigt, klingen danach die schon lange nicht mehr gehörten Beatles-Songs noch viel mystischer oder “andersweltlicher” als früher. Es gibt übrigens nicht nur Wahnsinnige im Internet, welche diese Verschwörungstheorie hegen und pflegen- ich kann auch ein großartiges Buch von R. Gary Patterson empfehlen, welches sich geradezu liebevoll mit den aufregendesten “Death Clues” rund um die Beatles befasst.

Seltsam:
vor 1966 war McCartneys Augenfarbe braun,
heute ist sie grün...

PS: Die Beatles selbst haben die Hysterie um Paul’s angeblichen Tod natürlich mitgekriegt, haben sich geärgert und dann vermutlich darüber amüsiert. So sind eine Vielzahl von später gefundenen “Clues” wohl von ihnen absichtlich platziert worden. Und um schlußendlich auf den Titel dieses Artikels zurückzukommen: In dem Song “Glass Onion” (vom grandiosen “White Album“) singt Lennon eine Textzeile, gespickt mit schwarzem Humor: “.. well here’s another clue for you all- the walrus was Paul.” – Leider war Lennon im Endeffekt dann eben doch selbst das “Walrus“…

Quelle: http://obskuristan.com


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